Als ihr Mann während einer Dienstreise in Prag im Alter von nur 34 Jahren starb, war sie, wenn auch von beiden die Ältere, selbst gerade einmal 39 Jahre alt. Insofern war sie noch viel zu jung, um das Weltgeschehen tatenlos an sich vorüberziehen zu lassen; aber diese Frage stellte sich so auch gar nicht. Noch einen Tag vor seinem Tod, geht die Legende, hatte ihr Mann seinen Nachlass testamentarisch geordnet. Sein erklärter Wunsch war es, sie möge seine Amtsgeschäfte bis zur Volljährigkeit des gemeinsamen Sohnes übernehmen.
Dass es der Zustimmung des Kaisers sowie ihres Königs bedurfte, um das Amt anzutreten, ist für ihre Zeit und den hohen Rang der neuen Position nicht ungewöhnlich. Schon weniger üblich ist die lange Dauer ihrer Amtsführung. Über einen Zeitraum von 18 Jahren und damit bis zum 25. Lebensjahr des Sohnes lenkte sie die Geschicke des Unternehmens. Die anspruchsvolle Aufgabe übernahm sie in einer besonders schwierigen Zeit. Bereits seit zehn Jahren herrschte Krieg im Land, und er sollte noch einmal doppelt so lange fortdauern. Zu keinem Zeitpunkt hatte sie Gelegenheit, sich zurückzulehnen.
In weiten Teilen war der Krieg auch ein Glaubenskrieg, und da sie dem Bund der katholischen Reichsstände angehörte, waren ihre Einstellung und ihr Verhalten in politischen Fragen vorgeprägt. Immerhin soll sie protestantische Mitarbeiter entlassen oder sie doch zumindest gemieden haben. Dass ihr die deutsche Sprache fremd war, erschwerte die Zusammenarbeit mit leitenden Angestellten, die weder französisch noch italienisch sprachen.
Bei alledem wurde sie als kluge und tatkräftige Person geschätzt. „Tüchtigkeit und Umsicht“ soll ihr der Kaiser attestiert haben. Sogar dasWohlergehen der Pferde, die in ihrem Beruf eine wichtige Rolle spielten, hatte sie zur Chefinnensache gemacht. Die Geschäfte gingen gut und müssen wohl zu ihrer Zufriedenheit ausgefallen sein. Als ihre Tochter einen spanischen Marquis heiratete, gab sie ihr als Mitgift 150 000 Gulden anstelle der testamentarisch verfügten 40 000 Gulden mit auf den Weg. Kurz vor Ende des Krieges endete auch ihre Amtszeit. Sie reichte den Stab an den Sohn weiter, nicht ohne allen Mitarbeitern in einem persönlichen Schreiben zu danken. In den Akten der 18jährigen Amtszeit ist auch ihr gesamtes Leben aufgehoben. Was davor war und was danach folgte, ist nicht dokumentiert.
Wir fragen: Wer kennt ihren Namen?
Schicken Sie Ihre Antwort bitte bis 1. Oktober 2009 an die Geschäftsstelle der DGPT. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir ein Überraschungspaket mit kulinarischen und kulturellen Delikatessen.
Auflösung Heft 2/2009
Zum 25. Rätseljubiläum galt es, eine große Persönlichkeit der Postgeschichte zu erraten. Von ihr konnten die Ausführungen zur Jagdleidenschaft nur bedingt ablenken. Gleich hinter dem Kanzler (Bismarck) kam aber Heinrich von Stephan (Stolp/Pommern, 7.1.1831 – 8.4.1897 Berlin).