Das Titelblatt des Reichspost-Kalenders von 1942 (Foto: MfK Frankfurt)
Das Gemeinschaftsprojekt Feldpost-Archiv Berlin ist eine Zusammenarbeit des Museums für Kommunikation Berlin, das für die Archivierung zuständig ist, und einer Gruppe aus Beratern, bestehend aus Historikern, Medien- und Kommunikationsexperten, die die wissenschaftliche, pädagogische und kulturelle Nutzung derArchivalien unterstützen. Erstmals werden hier Selbstzeugnisse aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs systematisch gesammelt und für eine wissenschaftliche Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Basierend auf Schätzungen on noch erhaltenen Abrechnungen zwischen der Wehrmacht und der Reichspost kann man heute davon ausgehen, dass während des Zweiten Weltkriegs etwa 30 bis 40 Milliarden Sendungen mit der Aufschrift „Feldpost“ befördert wurden. Das Feldpost-Archiv am Museum für Kommunikation Berlin hat eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen der Bundesrepublik, die der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung steht.
Wehrmachtssoldaten haben die erhaltenen Päckchen und Pakete ausgepackt, um 1942 (Foto: MfK Berlin)
Es werden nicht nur private Kommunikationsdokumente sachgerecht aufbewahrt, zu jedem Schreiber (und zum Teil auch zu den Empfängern) werden weitere Informationen gesammelt, die für die Auswertung wichtig sind. Nicht nur Einsatzorte und Herkunft sind verzeichnet, sondern auch persönliche Daten wie Geburtsjahr, Konfession oder Dienstgrad. Damit sind grundsätzlich biografische Zugänge möglich und es öffnen sich vielfältige Fragestellungen.
Reichhaltiges und vielfältiges Material der Forschung bereitzustellen, ist das langfristige Ziel und bildet die Grundlage für die Sammelstrategie des Feldpostarchivs Berlin. Alle
Teilstreitkräfte und alle an Kriegshandlungen beteiligten Organisationen sollten im Archiv vertreten sein. Auf der anderen Seite müssen auch unterschiedliche demografische Merkmale
repräsentiert sein: von hohen und niederen Dienstgraden über die verschiedenen Jahrgänge bis zu unterschiedlichen Bildungsschichten, sowie regionale, politische oder konfessionelle
Hintergründe. Seit dem 1. September diesen Jahres stellt das Berliner Museum rund 1200 Feldpostbriefe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs für Forschungs- und Recherchezwecke online
zurVerfügung
(www.museumsstiftung.de/feldpost).
Was nicht in den Akten ist, ist nicht in der Welt. Die Sensibilisierung für diese Frage nach dem Individuum gehört zum Repertoire einer Geschichtswissenschaft, die auf der Suche nachWirklichkeit präzisere Antworten finden will. In diesem Zusammenhang waren Privatkorrespondenzen historisch bedeutsamer Persönlichkeiten schon immer ein beliebtes Objekt der Forschung. Ungewöhnlich ist die Tatsache, dass in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg eine der wertvollsten Quellen für die Innenansicht eines Systems spät von vielenWissenschaftsdisziplinen in ihrem Wert erkannt wurde: Kriegs- oder Feldpostbriefe. Soldaten schreiben an ihre Angehörigen – Angehörige schreiben an die Soldaten im Feld.
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