DGPT - Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte E.V.

Gedankenspiele

Wer kennt seinen Namen?

von Apt

Obwohl ihn die Stadt Frankfurt gern für sich in Anspruch nimmt, hat er sich in seinem Leben keineswegs nur am Main aufgehalten. Sein Studium absolvierte er traditionsbewusst in Göttingen, seine erste Professur trat er in Kassel an, wechselte dann nach Mainz und später über Frankfurt nach München. Die Frankfurter Etappe war im Grunde nur den politischen Entwicklungen geschuldet – Mainz war zu einer Hochburg der Republikaner geworden, und in diesem Klima fühlte er sich zunehmend unwohl. Die unterschiedliche Beurteilung der politischen Ereignisse führte sogar zum Bruch mit guten Freunden, die offen mit den Franzosen sympathisierten.

Bei alledem war er ein gebildeter, neugieriger und kontaktfreudiger Mensch, pflegte eine tiefere Bekanntschaft mit Goethe und stand bald auch in Kontakt zu Friedrich Hölderlin. Es war die Zeit der Geselligkeit. Man traf sich in gelehrten Zirkeln, um über die Themen des Lebens zu räsonieren. In seinem Hauptberuf war er Arzt. Sein besonderes Interesse gehörte der Hirnforschung, die ihm zahlreiche Bücher und Abhandlungen verdankte, und der Anatomie des menschlichen Körpers. Zum Beispiel untersuchte er die durch Korsagen
hervorgerufene Deformation des weiblichen Körpers. An der Wende zum neuen Jahrhundert ließ er sich als praktizierender Arzt in Frankfurt nieder. Getrübt wurde der Schritt durch den überraschenden Tod seiner Frau. Da war er 47 Jahre alt und verwarf erneut jeden Gedanken
an Sesshaftigkeit. Nicht wenige Städte, darunter
Halle, Würzburg und Jena, bemühten sich jetzt um ihn. Indessen entschied er sich für München und die dortige Akademie der Wissenschaften. Als aber die Zusage eines anatomischen Neubaus über Gebühr ins Stocken geriet, wandte er sich enttäuscht von der Medizin ab
und paläontologischen Arbeiten zu.

In diese Zeit fiel auch die Idee, sich über bestimmte Entfernungen mithilfe fester Leitungen zu verständigen. Den Anstoß dazu hatte ein befreundeter bayerischer Minister gegeben, der sich von einer raschen Nachrichtenübertragung in Krisensituationen Vorteile versprach. Nur wenige Tage nach dem Gespräch waren bereits die ersten Skizzen des neuen Kommunikationsapparates zu Papier gebracht. Er ließ die benötigten Teile anfertigen und notierte sodann in sein Tagebuch: „Die ersten Versuche gemacht, durch Gasentbindung
Buchstaben an entfernten Orten zu bezeichnen.“ Nach zwei Monaten erfolgte die glückliche Demonstration vor einem akademischen Gremium. „Diese Erfindung“, urteilten Zeitgenossen, „hätte man nicht geistvoller anstellen können.“ Sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum beging er unter großer Anteilnahme. Ein letztes Mal war er nach Frankfurt zurückgekehrt.

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