Er war durch und durch Mann von Welt – aristokratisch, stilvoll und lebensklug. Wer ihn kennenlernte, wusste seinen edlen Charakter zu schätzen, seine Intelligenz, sein Selbstbewusstsein. Der Sohn eines Hofgerichtsrats wuchs auf den Familiengütern in der Nähe Hannovers auf, bevor er in Göttingen Rechtswissenschaften studierte und nach erfolgreichem Abschluss in die Dienste des Landgrafen von Hessen trat. Später schrieb er Bücher, verfasste Romane und äußerte sich zu verschiedenen Sachthemen.
Seine vielfältigen Kenntnisse bezog er aus eigener Anschauung. In erster Linie sammelte er Eindrücke unterwegs auf Reisen. Seiner Zeit, der Aufklärung, verpflichtet, verstand er sich als stets kritischer Beobachter, dem daran gelegen war, die vielfältigen Erfahrungen seiner Mitwelt zu vermitteln. Das Reisen war für ihn Erlebnis, Abwechslung und nicht selten Abenteuer. Einmal wurde er während einer Rast an einer Poststation von einer jungen Dame angesprochen, die ihn um eine Mitfahrgelegenheit ersuchte. Er überließ ihr großzügig einen Platz in seinem Coupé, nicht ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie ein Mann von Ehre wie er sich in einer derart delikaten Lage zu verhalten habe.
Ein andermal wurde sein Wagen von Posträubern bedroht. Nur mit Waffengewalt, erinnert er sich, sei es ihm gelungen, sich der Gefahr zu entziehen. Wobei er die Pistole nicht etwa gegen die Angreifer gerichtet habe, sondern gegen seinen Kutschknecht, den er so zu erhöhtem Tempo antrieb. Deutsche Postillione und Postmeister, wusste er, stünden ob ihrer Grobheit in zweifelhaftem Ruhm. Doch hänge alles davon ab, wie man ihnen gegenüber auftrete. Gelegentlich ein freundliches Wort, riet er, bewirke Wunder. Dass das gesamte Postpersonal einschließlich der Gastwirte unter einer Decke stecke, musste indes auch ihn verbittern. Er nahm es nicht ohne eine gewisse Resignation zur Kenntnis.
In einer seiner tragikomischen Geschichten reist eine Gesellschaft erlauchter Honoratioren in die nahe gelegene Stadt, um dem volksfestgleichen Aufstieg eines Ballons beizuwohnen. Solche Ballonaufstiege zählten damals zu den größten Sensationen überhaupt. Aufgrund der beschwerlichen Anfahrt verpasst die Gruppe jedoch das sehnsüchtig erwartete Spektakel; längst ist das Ballonschiff in luftiger Höhe entschwunden. Neben den Romanen und Erzählungen, in denen er der Post einen festen Platz einräumte, gab er seine Einschätzungen eines geordneten Miteinanders als Sammlung von Lebensweisheiten heraus. Damit hat er seine Zeit über Jahrhunderte überdauert. Und so spricht man bis heute von ihm. Wir fragen: Wer kennt seinen Namen?
Schicken Sie Ihre Antwort bitte bis 1. Juli 2010 an die Geschäftsstelle der DGPT. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir ein Überraschungspaket mit kulinarischen und kulturellen Delikatessen.
Auflösung aus Heft 1/2010
Mehr oder weniger mit Frankfurt am Main verbunden war der Arzt und Humanist Samuel Thomas von Soemmerring (28.1.1755 Thorn – 2.3.1830 Frankfurt am Main; geadelt 1808). Eher beiläufig erfand
Soemmerring in seiner Münchener Zeit einen elektrochemischen Telegrafen. Vorerst erwies sich der Apparat als umständlich, da er so viele Leitungen benötigte, wie das dargestellte Alphabet
Buchstaben hat.