DGPT - Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte E.V.

Gedankenspiele

Wer kennt seinen Namen?

von Apt
S. 97

Nach Antoine de Saint-Exupéry, dem französischen Schriftsteller und Postflieger, und nach Benjamin Franklin sei an dieser Stelle erneut eine nichtdeutsche Biografie skizziert. Dass der versierte Leser den Gesuchten mit den wichtigen Stichworten in Suchmaschinen à la Google dennoch mühelos antreffen wird, hat wenigstens zwei Gründe: Zum einen ist er deutscher Abstammung, was ihn sicher dem heimischen Nutzer näherrückt, und mehr noch wirkten sich seine Erfindungen in Deutschland über viele Jahrzehnte in schier unbeschreiblicher Weise aus.

Computer gab es zu seiner Zeit noch nicht. Und es wäre vermessen, zu behaupten, ohne ihn hätte es niemals Computer gegeben. Früher oder später wäre an seine Stelle ein anderer getreten. Freilich, ohne ihn hätte die Geschichte, vielleicht gar die Computer-
Geschichte eine andere Entwicklung genommen. Seine Schaffenszeit war im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Damals durchzog viele Länder ein dichtes Netz an Eisenbahnen, man gewöhnte sich an den fernen Dialog per Telefon, der Telegraf trug Neuigkeiten in alle Zeitungsredaktionen der Welt, in Großstädten schrumpften Kommunikationswege durch die Rohrpost und das Rad der Menschheit drehte sich schnell und immer schneller. Der neuen Hektik und dem Zeitgeist einer vermeintlich grenzenlosen Beschleunigung entsprachen seine Ideen. Sie kamen wie gerufen.

Dass der in Nordamerika geborene Ingenieur und Unternehmer im Anschluss an sein Bergbau-Studium etwa Patente für eine industrielle Herstellung von Wellblechplatten anmeldete, ist kaum der Rede wert und unterstreicht allenfalls sein Erfindertalent. Doch erhielt er bald eine Stelle in einem Büro, das sich statistischen Fragestellungen widmete und ihn erstmals in Kontakt mit Zählsystemen brachte. Er sah, wie mühsam es war, Erhebungen von Hand auszuwerten, und entwickelte den Gedanken, sie mithilfe eines technischen Verfahrens bequemer und vor allem rascher zu erfassen. Sein System, das später seinen Namen tragen sollte, wurde in den Vereinigten Staaten erstmals aus Anlass einer Volkszählung kurz vor der  Jahrhundertwende erprobt. In Deutschland diente es vor allem einer Vereinfachung des Büroalltags. Als aufbrausender Hitzkopf, der er war, verspielte er gelegentlich seine Sympathien bei den Behörden, die damit begannen, auf Angebote der Konkurrenz zurückzugreifen. Indes behielt er sein Monopol auf die, wenn man so will, „Software“ seiner Entwicklungen, und schon das stattete ihn mit einem beachtlichen Vermögen aus. Mit seiner Firma legte er den Grundstein für einen späteren Großkonzern. Wir fragen: Wer kennt seinen Namen?

Schicken Sie Ihre Antwort bitte bis 1. Oktober 2010 an die Geschäftsstelle der DGPT. Unter den richtigen Einsendungen verlosen wir ein Überraschungspaket mit kulinarischen und kulturellen Delikatessen.

 

Auflösung aus Heft 2/2010
Ein gebildeter Mensch, der häufig auf Reisen anzutreffen und um den rechten Umgang mit Postmeistern und Postillionen bemüht war: Unsere letzte Rätselseite war dem Schriftsteller und Aufklärer Adolph Freiherr Knigge (16.10.1752 Gut Bredenbeck bei Hannover – 6.5.1796 Bremen) gewidmet.