Inh.: Post- und Telegrafengebäude in historischen Aufnahmen und Replikaten; 26 Abb., Lit.-Verz.
Foto: MfK Berlin
1878 gab der Generalpostmeister Heinrich von Stephan eine Verfügung an die Kaiserlichen Oberpostdirektionen heraus: Von allen in neuerer Zeit errichteten und noch zu bauenden größeren Post- und Telegrafengebäuden sollten Ansichten, Grundrisse, Schnitte, Lagepläne und Perspektivzeichnungen angefertigt und dem seit 1843 bestehenden Technischen Museum in Berlin übergeben werden. Die Zeichnungen seien durch ein Modell und durch eine Fotografie zu ergänzen. In dieser Verfügung sind detailliert die Ausführungen der Zeichnungen, die Maßstäbe und die Kartongrößen festgelegt, für die Lagepläne wird eine Windrose verlangt. Die aquarellierten Perspektiven und die Fotografien eines Objektes sollten den gleichen Aufnahmestandort aufweisen. Die Verfügung ist kenntnisreich und vorausschauend abgefasst - ein Fachmann spricht über Fachmänner.
Foto: Rolf Lederbogen/MfK Berlin
Die umfangreiche Bautätigkeit der Kaiserlichen Post im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte zu einer reichen Sammlung von Zeichnungen, Fotografien und Modellen im Berliner Reichspostmuseum. Nach dem Ersten Weltkrieg baute die Reichspost nicht so viel. Das „Kaiserliche“ war überwunden, es wurde nach einer Neuen Architektur gesucht. Die Verfügung von 1878 geriet in Vergessenheit. In den Wirren des Kriegsendes 1945 gingen die Modelle verloren, doch die Sammlung der Posthausgrafiken mit mehr als 2 100 Blättern blieb erhalten. Das Museum für Post und Kommunikation Berlin stellte 1995 eine Auswahl der kostbaren „Inkunablen“ zu einer Wanderausstellung zusammen und gab hierzu einen sorgfältig bearbeiteten Katalog heraus.
1996 fragte die Stiftung Post- und Telekommunikation in Bonn an, ob zu den historischen Fotografien Vergleichsaufnahmen hergestellt werden könnten. Diese Replikate sollten als Dokumentation dienen und die Berliner Sammlung ergänzen. Die Orte sollten auf die neuen Bundesländer begrenzt werden. Für einen Fotografen eine herausfordernde Aufgabe.
Im Archiv des Berliner Museums wurde eine Auswahl von 20 Post- und Telegrafengebäuden in den neuen Bundesländern zusammengestellt, von denen eine breitere Palette von Posthausgrafiken in der Sammlung vorhanden ist. Es wurde daran gedacht, außer den Replikaten mit weiteren Bildern von Innenräumen, von Details und vom Umfeld entsprechend der örtlichen Situation die Dokumentation zu ergänzen. Die Stationen verteilten sich von Rügen bis Zittau über das gesamte Gebiet der neuen Bundesländer. Die Liste wurde um weitere Posthäuser ergänzt, die an einer möglichen Route liegen und von anderer Bedeutung sein könnten. Hier war nur das Replikat vorgesehen. Die komplexe Aufgabe verlangte über das Fotografieren hinaus Kenntnisse in der neueren Bau- und Kulturgeschichte und setzte ein erhebliches Maß an Entdeckerlust voraus.
Durchgeführt wurde die Arbeit in den Sommermonaten 1996 und 1997, jeweils in mehreren längeren Einzelkampagnen. 77 Postgebäude in 72 Orten der neuen Bundesländer wurden dokumentiert, 23 Objekte sehr ausführlich. Jede Fotoeinstellung wurde wegen der besseren Haltbarkeit und zum Vergleich mit den historischen Aufnahmen in Schwarzweiß belichtet, zusätzlich wurden Farbdiapositive hergestellt. (...)