Inh.: Zur Geschichte der Navigation vor dem Zeitalter der Satellitentechnik; 13 Abb., Lit.-Verz.
Glaubt man derzeitigen Visionen, dann setzen wir uns in spätestens 20 Jahren in vollautomatisierte Autos, nennen das Ziel, starten per Zuruf und werden von unserem Fahrzeug durch dichten Verkehr zum Arbeitsplatz, zum Kindergarten oder ins Shopping-Center geleitet. Wer rechts und links schon immer verwechselt hat, Entfernungen nicht abschätzen kann und einen schlechten Orientierungssinn beklagt, hat es dann gut. Nur unverbesserliche Nostalgiker werden darauf bestehen, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen, und sich wehmütig an Pfadfindertage erinnern, als Spuren gesucht, Sterne beobachtet und moosige Bäume abgeschätzt wurden in der Absicht, den rechten Weg zu finden.
Seit sich der Mensch auf der Oberfläche dieses Planeten von einem Ort zum anderen bewegt, entwickelt er seine Fortbewegungsart und -mittel ständig weiter. Ziel aller Bemühungen war und ist, die Entfernungen schneller und sicherer zu überwinden – und die zu befördernden Personen, Waren und Güter komfortabel und mit möglichst geringem Aufwand zu bewegen. Zu Beginn der Durchführung einer Reise standen – und stehen selbstverständlich auch heute noch – die Fragen: Wo befinde ich mich gerade? Wo ist mein Ziel? Und wie komme ich dort hin?
An Land und an der Küste stellten zunächst Bodeninformationen, Berge, Gewässer und Bewuchs hilfreiche Orientierungshilfen dar. Reisende konnten von ihren Beobachtungen während vergangener
Touren profitieren: Sie (er)kannten häufig genutzte Wegstrecken, diese galten also im Sinne des Wortes als „erfahren“. Seeleute wie Fischer mussten bereits bei geringer Entfernung zur Küste auf
diese Landmarken verzichten und waren daher weit mehr auf Erinnerung und Beobachtung angewiesen: Wolken, Wind und Wellen, Strömungen, Meerestiere und Vögel sowie gelegentlich vorkommende Inseln
konnten wichtige Hinweise auf Reiseroute und weiteren Verlauf liefern. Die Weitergabe der gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen erfolgte in mündlicher, später schriftlicher Form und führte
zur Herstellung von Seekarten. (...)