DGPT - Das Forum  

Zurück   DGPT - Das Forum > Postwesen > Zustellung

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 03.06.2009, 10:58
koch koch ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 01.04.2009
Beiträge: 83
Standard Zeitzeugen berichten... der Postzeitungsvertrieb (PZV) der Deutschen Post der DDR

Auch im Juni findet im MfK Berlin wieder ein Zeitzeugen-Abend statt. Diesmal zum Thema Postzeitungsvertrieb der Deutschen Post der DDR - ein Rückblick 60 Jahre nach seiner Gründung.

Zu dem Gespräch am 24. Juni 2009, das von Dr. Veit Didczuneit, Sammlungsleiter des Museums, moderiert wird, sind folgende interessanten Zeitzeugen eingeladen:
Hans-Jürgen Niehof (Impulsreferat) − unmittelbar nach der Wende Parlamentarischer Staatssekretär und Geschäftsführender Minister für Post- und Fernmeldewesen der DDR.
Martina Kauerauf – ehemalige Mitarbeiterin im Ministerium für Post und Fernmeldewesen, HAbt. PZV. In der Zeit nach der Wende war sie eingebunden in die Überführung des PZV in die PSG-Vertriebsgesellschaft.
Dieter Hoffbauer – ehemaliger Stellvertreter des Leiters des ZVA (Zeitungsvertriebsamtes) der Deutschen Post.
Wolf-Reiner Menzel – ehemaliger Mitarbeiter im Ministerium für das Post- und Fernmeldewesen; in den 1980er Jahren u.a. für die Entwicklung und Einführung des Zeitungsübertragungsdienstes verantwortlich.

Wo
Museum für Kommunikation Berlin
Leipziger Straße 16, 10117 Berlin-Mitte

Wann
24. Juni 2009, 17 bis 19.30 Uhr
Kosten
Eintritt frei
Voranmeldung
bei Dr. Wolfgang Töpfer, DGPT Regionalvorstand Ost, Geschäftsführer, Telefon (030) 275 761 37, Telefax (030) 275 765 113 7, E-Mail toepfer-berlin@t-online.de

Eine Veranstaltung der DGPT Regionalbereich Ost in Kooperation mit dem MfK Berlin.
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 08.07.2009, 11:06
koch koch ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 01.04.2009
Beiträge: 83
Standard Zeitzeugen erinnerten an den Postzeitungsvertrieb (PZV) der DDR-Post

von Wolfgang Töpfer

In der dritten Folge der Veranstaltungsreihe des DGPT Regionalvorstandes Ost „Zeitzeugen berichten“ wurde am 24. Juni 2009 an den Postzeitungsvertrieb der Deutschen Post der DDR 60 Jahre nach seiner Gründung im Jahre 1949 erinnert.
Ein Team von Zeitzeugen hatte sich gut auf den Abend vorbereitet:
  • Hans-Jürgen Niehof, ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär und Geschäftsführender Minister für Post- und Fernmeldewesen der DDR,
  • Martina Kauerauf, ehemalige Mitarbeiterin im Ministerium für Post- und Fernmeldewesen, Abteilung PZV, nach der Wende eingebunden in die Überführung von Teilen des PZV in die Postdienst Service GmbH (PSG),
  • Dieter Hoffbauer, ehemaliger Stellvertreter des Leiters des Zeitungsvertriebsamtes (ZVA) der Deutschen Post und
  • Wolf-Reiner Menzel, ehemaliger Mitarbeiter im Ministerium für Post- und Fernmeldewesen, in den 1980er Jahren mit der Entwicklung und Einführung des Zeitungsübertragungsdienstes beauftragt.
  • Dr. Veit Didczuneit, Leiter der Museumssammlung des Museums für Kommunikation und Mitglied des DGPT-Vorstandes Region Ost, hielt als Moderator vor und während der Veranstaltung alle Fäden in der Hand.

Hans-Jürgen Niehof hielt den Hauptvortrag des Abends. Darin gab er einen Überblick über die Entstehung des PZV noch vor der Gründung der DDR im Jahr 1949, seine Entwicklung bis zum Mauerfall 1989, seine Überführung in die Postdienst Service GmbH (PSG) bis zum faktischen Ende des PZV und seiner Nachfolgeeinrichtung durch den Verkauf der PSG Anfang 1998.

Bild 1: Klaus Werner, Vorsitzender des DGPT-Vorstandes, Region Ost, hieß die Gäste herzlich willkommen
Bild 2: H.-J. Niehof bei seinem Vortrag


H.-J. Niehof ging auf die politischen Hintergründe ein, die zur Gründung des PZV führten und die die Entwicklung dieses Dienstzweiges der Post zu einem staats-/ parteimonopolistischen Organ mit zentralen medienpolitischen Funktionen bis zum Ende der DDR zur Folge hatten. Er berichtete über Aufgabenspektrum und Prozesse des PZV und über die tägliche schwere Arbeit und Leistungen der Beschäftigten in diesem Postzweig. Er erinnerte auch an die spannende Zeit nach dem Fall der Mauer als westdeutsche Großverlage versuchten, den ostdeutschen Pressemarkt zu erobern. Ihre Aktivitäten vollzogen sich in einer Phase der deutsch-deutschen Entwicklung, als die gesamtdeutsche Gesetzgebung noch nicht angekommen war, auslaufende Gesetze der DDR-Volkskammer jedoch nicht mehr in der gebotenen Verbindlichkeit durchzusetzen waren.

Martina Kauerauf erinnerte sich an den „normalen Alltag“ bei der Realisierung der Aufgaben des PZV. Emotional bewegt berichtete sie über ihre persönlichen Erlebnisse in der Zeit der „Abwicklung“ großer Teile des PZV nach dem Fall der Mauer. Hier bestand das Hauptproblem darin, für Tausende von Beschäftigten in kürzester Zeit für andere Arbeit oder für sozialverträgliche Veränderungs- und Ausstiegsmöglichkeiten zu sorgen. Viel Zeit stand nicht zur Verfügung, so dass die Überführung des Einzelverkaufs in die PSG nur mit „heißer Nadel“ genäht werden konnte. Nicht leichter wurde es dann in der neu gegründeten PSG, die wegen ihrer permanent defizitären Situation und aus ordnungspolitischen Gründen von der Deutschen Bundespost als „ungeliebtes Kind“ angesehen wurde.

Bild 3: Die Zeitzeugen-Gäste verfolgen die Beiträge
Bild 4: Das Zeitzeugenteam: Wolf-Reiner Menzel, Hans-Jürgen Niehof, Dr. Veit Didczuneit (Moderation), Martina Kauerauf, Dieter Hoffbauer (v.l.n.r.)


Dieter Hoffbauer, berichtete über Aufgaben des PZV, die in der Postzeitungsvertriebsordnung festgeschrieben waren. Darin enthalten waren alle Prozessabschnitte von den Verlagen über das ZVA als zentrale Großhandelsseinrichtung bis hin zu den Dienststellen des PZV, gegliedert nach Zustell- und Vertriebseinrichtungen. Er sprach über die Rolle der so genannten Postzeitungsliste, in der alle durch Staat und Partei zugelassenen Presseartikel aufgelistet waren. Der Einfluss der Partei- und Staatsführung auf diese Liste wurde besonders deutlich, als er über seine persönlichen Erlebnisse bei der „Verbannung“ des Sputnik, einer sowjetischen Zeitschrift, in der Ende der 1980er Jahre bereits über „Glasnost - Transparenz“ und „Perestroika - Umbau“ geschrieben wurde, von der Postzeitungsliste berichtete. Dieser „Fall“ wurde damals zur „Chefsache“ erklärt, d. h. dass Erich Honecker das Verbot der Zeitschrift persönlich verfügte.

Wolf-Reiner Menzel erinnerte an das Projekt Zeitungsübertragungsdienst, mit dessen Leitung er seiner Zeit im Ministerium für Post- und Fernmeldewesen beauftragt wurde. Es sah vor, die Bildabtasttechnik, die zur Übertragung der Zeitungsseiten von Berlin in die Bezirkshauptstädte benutzt wurde, unter Verwendung einer in der damaligen Sowjetunion entwickelten modernen Technik zu erneuern. Er schilderte anekdotenhaft, wie er vom damaligen Stellvertreter des Ministers für Post- und Fernmeldewesen für Betrieb und Verkehr zu dieser Aufgabe und Verantwortung kam. Auch dieses Projekt stand im Kontext zu den zentral gesteuerten Funktionen bei der Herstellung und beim Vertrieb der Tageszeitungen, allen voran das Neue Deutschland. Mit Hilfe dieser Technik gelang es, die Auslieferung der überregionalen Tageszeitungen nahezu in allen Teilen der DDR zuverlässiger und früher am Morgen bis zum Kunden zu bringen. Er überreichte Dr. Veit Didczuneit die erste Druckmatritze, die bei der Erprobung des technischen Verfahrens verwendet wurde, zur Aufnahme in die Museumssammlung.

Bild 5: Wolf-Reiner Menzel übergibt eine Original Druckmatritze, die bei der Erprobung verwendet wurde, an Dr. Veit Didczunait zur Übernahme in die Museumssammlung

Was als Wermutstropfen bei den bisherigen zwei Zeitzeugenabenden (Telekom Aufbau Ost und Postvereinigung) empfunden wurde, klappte diesmal sehr viel besser: Die Teilnehmer des Abends erhielten die Möglichkeit, sich selbst einzubringen, Fragen zu stellen und über eigene Erlebnisse zu berichten. Unser fester Vorsatz: Das soll auch so bleiben!!

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an das fleißige Zeitzeugenteam und an die interessierten Gäste.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Bild 1.jpg (68,6 KB, 4x aufgerufen)
Dateityp: jpg Bild 2.jpg (63,5 KB, 4x aufgerufen)
Dateityp: jpg Bild 3.jpg (98,1 KB, 4x aufgerufen)
Dateityp: jpg Bild 4.jpg (90,9 KB, 3x aufgerufen)
Dateityp: jpg Bild 5.jpg (73,6 KB, 3x aufgerufen)
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 08.07.2009, 11:26
koch koch ist offline
Administrator
 
Registriert seit: 01.04.2009
Beiträge: 83
Standard Nächster Zeitzeugen-Abend im Oktober!

Der nächste Zeitzeugen-Abend in Berlin findet im Oktober zum Thema Postbank und Postsparen statt! Mehr dazu im Forum Postsparen

Auch hier lädt die DGPT Region Ost alle Interessierten und natürlich auch alle DGPT-Mitglieder herzlich ein!
Mit Zitat antworten
Antwort

Stichworte
berlin, ddr, deutsche post, kommunikation, mfk, museum, postzeitungsvertrieb, pzv, zeitzeugen, zustellung

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 15:43 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.8.2 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2010, Jelsoft Enterprises Ltd.