Die Ursprünge der „Deutschen Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte“ gehen auf eine bayerische Initiative zurück. Schon im Dezember 1921 bildete sich in München eine Anschrift zur Erforschung der bayerischen Post- geschichte. Bereits im Jahr darauf folgte die formelle
Gründung einer „Gesellschaft zur Erforschung der bayerischen Postgeschichte“
(später auch „Gesellschaft zur Erforschung der Postgeschichte in Bayern“ genannt).
Dieser Verein ist der älteste und erste seiner Art. Denn anders als die zahlreichen philatelistischen Vereine, die bereits ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in ganz Deutschland entstan- den, ist dieser posthistorisch orientierte Geschichtsverein keine Interessenvertretung von
(Briefmarken-) Sammlern. Seine Vereinstätigkeit wurde vielmehr vom ersten Tag an durch die enge Bindung an die Postverwaltung und ihre Mitarbeiter entscheidend geprägt.
Sicher ist es kein Zufall, dass der Geburt dieses Vereins umwälzende Veränderungen und Umstrukturierungen der bayerischen Postver- waltung vorausgegangen waren. Mit dem Poststaatsvertrag vom 1. April 1920 wurde erstmals für das gesamte Deutsche Reich eine einheitliche Postverwaltung
geschaffen. Damit musste die bis dahin unabhängige bayerische Post- und Telegraphenverwaltung in der sogenannten „Verreichlichung“ ihre Selbstständigkeit endgültig aufgeben.
Mit dem Verlust an Autonomie in der Verwaltungsrealität wuchs gleichzeitig der Wunsch, die bayerische Postgeschichte forschend in Erinnerung zu erhalten. Dabei bildeten personelle Überschneidungen und enge Verknüpfungen mit der neuen Postverwaltung die Basis für die
Vereinstätigkeit der Gesellschaft. So liefen anfangs alle Fäden in der neu eingerichteten Sonderabteilung des Reichspostministeriums in München zusammen. Diese Abteilung VI (auch Abteilung München
oder Referat 6 genannt) wurde als Zugeständnis und Ausgleich an Bayern im Rahmen des Staats- vertrags eingerichtet. Sie sicherte der bayerischen Post innerhalb der Einheitsverwaltung der Deutschen Reichspost (DRP) weiterhin eine Sonderstellung zu. Karl Stingl, 1921 Leiter der Abteilung und späterer Reichspostminister, übernimmt die Geschäftsführung der Gesellschaft und überträgt deren gesamten Geschäftsbetrieb seiner Sonderabteilung.
Bereits 1922 gibt die Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Das Bayerland“ posthistorische Artikel heraus. Drei Jahre später veröffentlicht die Gesellschaft erstmals mit dem „Archiv für Postgeschichte in Bayern“ zusammen mit dem Reichspostministerium eine eigene
posthistorische Zeitschrift. Nicht nur im Titel, auch in Aufmachung und inhaltlicher Ausrichtung ist das bayerische Archiv direktes Vorbild für das spätere „Archiv für deutsche Postgeschichte“, das heutige ARCHIV.
Mit einer kurzen kriegsbedingten Unterbrechung erscheint die bayerische Zeitschrift wieder ab 1949, ab 1950 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundespost und bis 1995 parallel zum „Archiv für deutsche Postgeschichte“.
Bis Mitte der 1990er Jahre wird die Umstrukturierung der deutschen Postverwaltung abgeschlossen und die Nachfolgeunternehmen der Bundespost ziehen sich aus der Förderung des bayrischen Vereins zurück. Das Fortbestehen der bayerischen Gesellschaft scheint gefährdet. Letzte Rettung ist
schließlich 1995 die Verschmelzung der Gesellschaft mit der „Gesellschaft für deutsche Postgeschichte“. Die gut 4.000 Mitglieder aus Bayern werden daraufhin in die DGPT integriert und finden in der neugeschaffenen Region SÜD eine Heimat.
Das „Archiv für Postgeschichte in Bayern“ wird aus Kostengründen als eigenständige Zeitschrift eingestellt. Mit einer eigenen regionalen Ausgabe des „Archiv für deutsche Postgeschichte“ , das unter dem neuen Namen „Post- und Telekommunikationsgeschichte“ erscheint, wird an die
Tradition der bayrischen Zeitschrift angeknüpft.